Der Blower Door Test erklärt
Der Blower Door Test erklärt

Blower Door Test: Luftdichtheit eines Gebäudes ermitteln

Die Gebäudehülle von Neubauten müssen nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) „dauerhaft luftundurchlässig“, also luftdicht sein. Die Luftdichtheit wird in einer speziellen Differenzdruckmessung, – dem sogenannten Blower Door Test ermittelt. Wir erklären Ihnen, wie genau das funktioniert und warum Luftdichtheit nicht nur für Neubauten wichtig ist.

Was ist ein Blower Door Test?

Ein Blower Door Test ist eine Differenzdruck-Messung, mit der die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen wird. Mithilfe dieses Messverfahrens können Lecks in der Gebäudehülle aufgespürt und die Luftwechselrate bestimmt werden. Die Luftwechselrate gibt an, wie oft die Luft in einem Raum oder Gebäude innerhalb einer Stunde ausgetauscht wird. Beim Blower Door Test wird die Windlast an einem stürmischen Herbsttag auf ein Gebäude mit Ventilatoren simuliert und mithilfe spezieller Messinstrumente die Druckdifferenzen ermittelt

Warum ein Blower Door Test?

Ziel des Blower Door Tests ist es, zu prüfen, ob die zu messende Gebäudehülle luftdicht ist. Luftdicht bedeutet an dieser Stelle, dass bei geschlossenen Türen und Fenstern keine Luft aus den Innenräumen nach außen gelangen darf. Die Luftdichtheit hat den Hauptzweck zu vermeiden, dass Heizwärme unkontrolliert über Leckagen (z .B. Fugen oder Risse) in der Gebäudehülle entweicht. Gleichzeitig beugt ein hoher Grad der Luftdichtheit Feuchtigkeitsschäden vor, welche entstehen, wenn feuchte Luft aus dem Innenraum bei einem undichten Gebäude in z. B. das Mauerwerk, den Dachstuhl oder in die Dämmung gelangt. Diese Gebäudeteile liegen außerhalb des sogenannten Warmbereichs. Dieses Phänomen tritt häufig in den kalten Wintermonaten auf und hat zur Folge, dass die in der Luft gespeicherte Feuchtigkeit kondensiert und als Kondenswasser niederschlägt. Dadurch drohen zum Beispiel Schimmelpilzbefall und ein starker Verlust der Leistungsfähigkeit der Dämmstoffe.

Zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt, stellt die Blower Door Messung zudem ein zuverlässiges und anerkanntes Mittel der Qualitätssicherung am Bau dar. Denn die kritischen Stellen können so noch vor der Abnahme eindeutig identifiziert und beanstandet werden. Deshalb wird der Blower Door Test inzwischen auch von vielen Bauträgern, Bauherren, Behörden und Banken als Nachweis verlangt.

Ein Blower Door Test hilft also dabei:

Wann muss ein Blower Door Test durchgeführt werden?

Blower Door Test im Neubau

Ein Blower Door Test sollte bei allen Neubauten noch vor Beginn des Innenausbaus durchgeführt werden, denn so kann geprüft werden, ob z. B. die luftdichten Anschlüsse des Daches und der Fenster fachgerecht ausgeführt wurden. In dieser Bauphase können Leckagen an der Dichtungsebene des Daches, an Anschlüssen und Durchbrüchen noch problemlos korrigiert werden, weil die entsprechenden Stellen noch frei zugänglich sind. Ein weiterer Blower Door Test sollte im Anschluss der Fertigstellung erfolgen. Sobald bei Neubauten eine Lüftungsanlage verbaut wird oder KfW-Fördermittel beantragt werden, wird die Blower Door Messung verpflichtend. Neben der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit gibt es jedoch keine grundlegende Pflicht zur Durchführung eines Blower Door Tests.

Blower Door Test im Altbau

Bei Altbauten lässt sich mithilfe eines Blower Door Tests der Istzustand ermitteln. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn Sanierungsarbeiten geplant sind. So lässt sich wie bei Neubauten eine fachgerechte Durchführung der Dichtungsarbeiten überprüfen. Zudem hat sich die KFW dazu entschlossen, den Nachweis über die Luftdichtheit aller Bauprojekte zur Pflicht zu machen. In diesem Fall umfasst die Pflicht nicht nur Neubauten, sondern reicht auch in Umbauten und Sanierungen hinein.

Wie funktioniert ein Blower Door Test?

Beim Blower Door Test wird ein Ventilator mittels eines verstellbaren Metallrahmens, der von einer luftundurchlässigen Plane umgeben ist, in eine Fenster- oder Türöffnung eingesetzt. Alle weiteren Fenster und Außentüren werden geschlossen. Während der Messungen wird mithilfe des Ventilators Luft in das Messobjekt gedrückt (Überdruck) oder aus dem Gebäudeinneren herausgezogen (Unterdruck). Das gesamte Messverfahren nach DIN EN ISO 9972 Verfahren 3 lässt sich in 3 verschiedene Phasen gliedern.

1.

In der ersten Phase wird ein konstanter Unterdruck zur Ermittlung der natürlichen Druckdifferenz erzeugt und aufrechterhalten. Damit der geförderte Luftstrom an die Gebäudedichtigkeit angepasst werden kann, kommen bei den Messungen verschieden große Messblenden zum Einsatz. Die Drehzahl des bzw. der Ventilatoren wird so eingestellt, dass zum Umgebungsdruck eine Differenz von 50 Pa (Pascal) entsteht. So wird eine natürliche Windlast simuliert, die man sich gut unter einem stürmischen Herbsttag vorstellen kann. Die so entstehende Druckdifferenz sorgt dafür, dass durch undichte Stellen (Leckagen) in der Gebäudehülle vermehrt Luft in den Innenraum des Messobjekts strömt. Mithilfe verschiedener Messinstrumente können die Schwachstellen ausfindig gemacht werden. Größere Leckagen lassen sich bereits mit der Hand erfühlen. Bei kleineren Fehlstellen werden Rauchspender, Luftgeschwindigkeitsmesser oder Infrarotkameras eingesetzt.

2.

Im nächsten Schritt wird die Unterdruck- und die Überdruckmessung zur Bestimmung der Luftwechselrate durchgeführt. Dafür wird zuerst ein niedriger Unterdruck erzeugt (10 bis 30 Pa), der schrittweise (in z. B. 5 oder 10 Pa-Schritten) bis auf den Enddruck von 60-100 Pa erhöht. Bei jedem Schritt wird für die jeweilige Druckstufe der Volumenstrom ermittelt, der notwendig ist, um den entsprechenden Prüfdruck aufrecht zu halten. Dieser Schritt wird anschließend wiederholt, wobei diesmal ein Überdruck erzeugt wird.

3.

Im letzten Schritt wird erneut die natürliche Druckdifferenz gemessen und mithilfe der erhobenen Messwerte der mittlere Volumenstrom bei 50 Pascal ermittelt. Dieser Volumenstrom wird anschließend durch das Innenvolumen der Messzone geteilt. So erhalten wir die Luftwechselrate n50. Dieses Ergebnis kann dann mit den Werten andere Gebäude und Normen verglichen werden.

Bei der Messung werden unter anderem folgende Messwerte ermittelt:

Voraussetzungen für die Durchführung

Ein Blower Door Test sollte gut geplant und vorbereitet werden. Wichtig sind hier vor allem die Wahl des richtigen Zeitpunktes, das Vorhandensein von den benötigten Unterlagen und diverse Voraussetzungen, die das zu messende Gebäude erfüllen muss.

Die wichtigsten baulichen Voraussetzungen:

Die benötigten Informationen und Unterlagen:

Sonstiges:

Was kostet ein Blower Door Test?

Die Höhe der Kosten für einen Blower Door Test sind stark vom Umfang und Zweck der Messung abhängig. Darum ist es wichtig, diese im Vorfeld genau zu definieren. Nur so lassen sich die Angebote unterschiedlicher Dienstleister miteinander vergleichen. Bei einem Preisvergleich sollten unbedingt auch die Anfahrtskosten und ggf. über die Messtätigkeit hinausgehenden Leistungen wie z. B. die Mitwirkung der Dienstleister an eventuell größeren benötigten Vorbereitungen für die Messung berücksichtigt werden. Die Kosten einer Luftdichtheitsmessung z. B. nach DIN EN ISO 9972 zur Überprüfung der Anforderungen gemäß EnEV für ein 150 Quadratmeter großes Einfamilienhauses werden sich häufig zwischen 300 und 600€ zuzüglich Mehrwertsteuer bewegen.

TIPP: In jedem Fall sollte neben Nachweisen zu der fachlichen Qualifikation des entsprechenden Anbieters, auf ein detailliertes Angebot bestanden werden. Ein besonders günstiger Preis kommt manchmal nur dadurch zustande, dass für eine normgerechte Messung wichtige Positionen ausgelassen werden. Prüfen Sie das Angebot also sorgfältig.

Wir prüfen die Luftdichtigkeit von Räumen, Häusern, Laboratorien, Einkaufszentren, Schwimmbädern, Hallen und vieles mehr.

Thomas Pingel

Anforderungen und Grenzwerte (GEG & DIN EN ISO 9972)

Bei der Überprüfung der Luftdichtheit sind die Messungen sowohl mit Über- als auch mit Unterdruck durchzuführen. Die genannten Höchstwerte sind für beide Fälle einzuhalten. Der bei einer Bezugsdruckdifferenz von 50 Pascal gemessene Volumenstrom in Kubikmeter pro Stunde darf

1. ohne raumlufttechnische Anlagen höchstens das 3-fache des beheizten oder gekühlten Luftvolumens des Gebäudes in Kubikmetern betragen und

2. mit raumlufttechnischen Anlagen höchstens das 1,5-fache des beheizten oder gekühlten Luftvolumens des Gebäudes in Kubikmetern betragen.

Bei Gebäuden mit einem beheizten oder gekühlten Luftvolumen von über 1 500 Kubikmetern der bei einer Bezugsdruckdifferenz von 50 Pascal gemessene Volumenstrom in Kubikmeter pro Stunde, sind zusätzlich folgende Höchstwerte einzuhalten.

1. ohne raumlufttechnische Anlagen höchstens das 4,5-fache der Hüllfläche des Gebäudes in Quadratmetern betragen und

2. mit raumlufttechnischen Anlagen höchstens das 2,5-fache der Hüllfläche des Gebäudes in Quadratmetern betragen.

Typische Schwachstellen beim Blower Door Test

Die Leckagen, die beim Blower Door Test aufgespürt werden, treten meist da auf, wo Bauelemente aufeinandertreffen. Dies liegt vor allem daran, dass kleine Schwachstellen oder Lücken in z. B. Fugen häufig schwer zu sehen sind, oft nur mithilfe eines Blower Door Testes sichtbar gemacht werden können. An den folgenden Stellen treten besonders häufig Leckagen auf:

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